1984 – Open Jail


1984„Sacre Bleu! 1984 sind ja Franzosen. Echt? Die kommen daher wie Joy Division, diese garcons aus Straßburg, dreschen auf ihre Gitarren wie die B52s und rocken los wie Ramones.“ So beschrieb Artrocker.com schon im Februar 2008 die 3-köpfige Band aus Straßburg. Damals wurden sie noch als Band ohne Plattenvertrag vorgestellt und offensichtlich habe nicht nur ich den Artikel gelesen. Mittlerweile sind sie bei weekender records untergekommen und am 24. Oktober kommt nun auch endlich Open Jail, ihr erster Longplayer, in den Handel. Und ich muss sagen, wenn ich die CD nicht schon hätte, ich als alter Joy Division Fan würde mich auf den Tag freuen. Okay, 1984 ist definitiv keine „schwarze“ Band – aber ein paar Songs könnten auch aus der Feder von Ian Curtis stammen. 


1984 bestehen aus Etienne Nicolini (Gitarre, Piano, Hammond Orgel und Gesang), Bruno Pelagatti (Bass und Background) sowie Thomas Figenwald an den Drums. Die Jungs pfeifen auf sämtliche Konventionen und Zeitgeist und so spielen sie einen astreinen New Wave, mal in der düsteren Erzähltradition, wie man es von einer Band aus der Grande Nation erwarten kann, und mal mit einem kräftigen Schuss Rockabilly oder Country gemischt. Leider ist es aber gerade die letztgenannte Art von Songs, die mich von einem „absolut kaufen“ zu einem „unbedingt mal rein hören“ kommen lassen.

Aber wenn Etienne über die Freiheiten und Möglichkeiten singt, von denen sie und ihre Generation gefangen sind und schier erdrückt werden, dann hat das was wunderbar Melancholisches ohne getragen oder klischeebehaftet zu sein. 1984 lebt in guten Teilen den New Wave und es ist einfach eine Freude auch mal wieder solche klassischen Klänge ganz aktuell hören zu können.

Etienne mit seinem Gesang aus der hintersten Ecke des Gemüts, getrieben von der Kompromisslosigkeit der Songs, verbreitet ein Flair, das man bei den meisten Bands, die versuchen nach Ian zu klingen, schmerzlich vermisst. Was wahrscheinlich daran liegt, dass man bei Etienne nie das Gefühl hat, dass er es versucht. Im Gegenteil, er klingt wie er klingt – und das erinnert nur zufällig an Mr. Curtis. Würde die Zeit andersherum laufen…

Betrachtet man das komplette Album, ist es wohl nicht wirklich verwunderlich, dass sie sich 1984 nennen, genauso wie der dystopische Literaturklassiker von George Orwell: klassisch, provokant, vielschichtig. Wenn auch mit ein paar langatmigen Stellen, die aber nicht den positiven Gesamteindruck zu sehr in den Hintergrund schieben.

1984 ist in ihren guten Songs treibend, schneidend, episch, verwirrend, kompromisslos und doch auch wieder geschmeidig, dass es eine Freude ist zuzuhören. Man kann nur hoffen, dass sie sich ihre Energie bewahren und in Zukunft noch stärker auf Joy Division und etwas weniger auf ihre anderen Einflüsse hören. Aber nach dem 24. Oktober sollte man auf jeden Fall mal in Open Jail rein hören – meine Anspieltipps sind Cocooning, The Lat Man und L’Homme Aux Os. Für ein Erstlingswerk einfach ein schönes Stück Musik mit ein paar tollen Höhenpunkten, die auch unseren dunklen Gehörgängen schmeicheln.

 

Open Jail CoverArtist: 1984

Album Titel: Open Jail

Erscheinungsdatum: 24. Oktober 2008 als CD, LP und digital

Vertrieb: Indigo

Website: MySpace-Profil (inkl. Songs)

Trackliste:

COCOONING

CACHE‐CACHE

SKANDISKA

L´HOMME AUX OS

SWOON

DESERT DANCERS

THE MISSING VOICE

BAIKAL AMOUR MAGISTRAL

THE LAT MEN

THE WAIT

BY DINT

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