EISBLUME – Unter dem Eis


EisblumeJa, ich gebe es zu: ich mag den Song „Eisblumen“. Ich mag auch die Version von Eisblume. Ich find sogar das Video nicht schlecht… für ein Pop-Video. Und jetzt habe ich die komplette CD „Unter dem Eis“ und weiß nicht so recht, was ich machen soll. Am einfachsten ist es vielleicht jeden Song für sich vorzustellen, denn so als Gesamtkunstwerk kann ich ehrlich gesagt die CD nicht empfinden. Sie hat was – und ich meine mehr als das putzige Gsichtla der Sängerin Ria, die ja nix dafür kann, dass sie noch so jung ist. Eine sehr interessante Stimme hat sie auf jeden Fall. Aber das Quintett (4 Jungs sind noch als Musiker dabei, auch wenn die irgendwie nie in Erscheinung treten, man sieht immer nur stylische Pics von Ria) hat sich irgendwie noch nicht sooo ganz auf ihren Stil festgelegt.

„Eisblumen“ sollte eigentlich jeder kennen und entweder lieben oder hassen. Aber egal wie man zu dem Song steht – es ist schon eine Leistung von einem Madl, das so ausschaut wie die Idealjungfrau, sich nicht nur an den Song zu trauen sondern durch die Mitarbeit von Michael Boden auch noch von den Ursprungskünstlern quasi dazu legitimiert worden zu sein. Nicht nur aufgrund des Songmaterials ist „Eisblumen“ für mich einer der stärksten Songs des Albums.

„Leben ist schön“ fängt nach „Eisblumen“ verheißungsvoll an… leider hält es nicht die Qualität der ersten 15 Sekunden, spätestens beim Refrain klingt es wie millionenmal gehört – einfach absolut austauschbar… der Song hätte auch von einer Yvonne Catterfield oder Anett Louisan stammen können. Und zwar ganz genauso… nicht gerade eine Empfehlung für eine Gruppe, die im Gothicbereich zuhause sein möchte.

„Unter dem Eis“… „du bist der Atem unter dem Eis, aus dem du mich befreist“… ein ruhiges Söngchen, von dem ich euch mehr Textzitate erspare, zu dessen Refrain die Gitarren mal so richtig rocken… mindestens so hart wie bei Tokio Hotel…
„Land in Sicht“. Gut, Land in Sicht… fast bei der Hälfte der CD erreicht. Endlich. Ach, öhm, ja… wonach klingt der Song? Hm, Avril Lavigne trifft Dieter Bohlen… nicht so ganz… ist schon bisserl höherwertiger als das, was Bohlen so textet.

„Liebe heißt Schmerz“ – wow… noch so jung und schon diese Erkenntnis gefunden…

„Überleben“ – so, jetzt mal ganz ernsthaft. Das hier ist einer der Songs, warum ich überhaupt über Eisblume schreibe. Denn genau diese Art von Songs machen mir wirklich große Hoffnung für die Zukunft. Der Song ist musikalisch nett gemacht, sehr ruhiger Anfang dank nur Piano, sparsamer Streicher und der ja doch angenehmen Stimme von Ria. Sehr behutsam kommen im Laufe des Songs nicht nur weitere Instrumente dazu, auch die Gangart verschärft sich etwas – und das nicht 08/15 wie normal sondern erstaunlich gekonnt. Wenn auch etwas aalglatt produziert – aber das ist das ganze Album und nicht wirklich ein Negativ-Kriterium, auch wenn dadurch viel Charme verloren geht. Textinhaltlich… nunja, nicht dumm – aber irgendwie klingt es doch sehr nach einem pubertierenden Menschen… Aber mal ganz ehrlich: die ersten Songs von z.B. Lacrimosa waren auch nicht perfekt – doch, insbesondere wenn man auch mal die Umgebungszeit beachtet, an die Klasse kommt der Song ran. Okay, Tilo hat damals ne komplette CD in der Qualität gemacht… war dafür aber auch nicht zum Erfolg verdammt.

Eisblume - Unter dem Eis„Zeit zu gehen“. Ist das hier wirklich Eisblume? Stammt der Song vielleicht von einer anderen Band und ist aufgrund eines Fehlers auf der CD? Nein, nach ein paar Takten, die eigentlich Hoffnung auf mehr machen (weil deutlich härter) wird’s ruhig … schade eigentlich… hatte wirklich gehofft, dass es Eisblume wenigstens einmal richtig krachen lassen – wäre wirklich interessant zu erfahren, wie die 5 sowas meistern würden. Mit diesen kleinen Industrial- und Metal-Anlegungen wie in diesem Song kann man leider keinen Eindruck von ihren Fähigkeiten in dem Bereich gewinnen. Da hilft es auch nicht, wenn die kla Ria selber sagt: „Früher dachte ich, meine Stimme wäre einfach zu glockenklar, um rockigeren Sound zu machen. Man muss sich schließlich gegen harte Gitarren und ruckvollen Sound bewähren, um nicht verloren zu gehen“ – mit diesem Stück weiß man es trotzdem noch nicht.

„Sieben“ – ja, das hätte ein toller Song werden können. Keine Teeniemetalgitarren, sondern es mal wirklich etwas rotzen lassen… kein Weichspülerschlagzeug sondern ruhig mal bisserl Double-Bass-Drum und alles ‘ne Spur lauter… mit englischen Pop-Rock-Songs kann der Track locker mithalten. Ähnlich wie bei „Überleben“ – hier KANN sich was wirklich Gutes entwickeln, wenn es beim Major genug Luft dafür bekommt.

„Louise“ – der mit Abstand stärkste Song von Eisblume. Hier erzählt sie endlich mal einfach eine Geschichte, und die ist auch noch poetisch gut gemacht. Die musikalische Untermalung passt einfach, egal ob sie einem gefällt oder nicht. Der Song ist einfach gut gemacht. Vom ersten bis zum letzten Takt.

Wenn die ganze CD die Qualität des ersten („Eisblumen“) und letzten („Louise“) Songs hätte, wäre es ein wirklich gutes Album. In Anbetracht des Alters der Mitwirkenden und dafür, dass es de facto ein Debütalbum ist, könnte ich dann sogar den Eisblumen-Hype verstehen, denn dann wäre es der grandiose Auftritt einer Band, die sowohl im dunkleren Bereich als auch im Kommerziellen punkten kann. Und in beiden Gebieten vollkommen zu Recht. Leider gibt es aber viel zu viele Songs, die einfach nur kommerziell klingen. Bei denen wäre die Sängerin und damit auch das ganze Drumherum, die Aufmachung, ohne Schwierigkeiten austauschbar und würde auch einer Yvonne Catterfield, einer Annett Louisan oder auch einer DSDS-Siegerin gut zu Gesichte stehen. Dank 3-4 Songs kann man aber wirklich für die Zukunft hoffen und in diese CD auch mal reinhören. Wer Girlie-Gothic mit wenigen Highlights mag (– oder auf guten Pop steht) der findet mit „Unter dem Eis“ wahrscheinlich das bestproduzierte Album dieser Art ever.

 

Nachtrag am 30. März 2009: Heute habe ich eine Remix-Version von Eisblumen gefunden. Meiner Meinung nach viel besser als die Single-Version, aber bildet Euch einfach selber Eure Meinung:

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