Eisenfunk – Schmerzfrequenz


Eisenfunk - Schmerzfrequenz„You are hearing the actual signals transmitted by the earth cycling satellite“ Diese Formulierung aus dem Song “Sputnik” vom neuen Album von Eisenfunk ist genauso daneben wie der Titel der aktuellen CD: Schmerzfrequenz. Oder aber es gibt extrem musikalische Satelliten, denn das Album „Schmerzfrequenz“ ist weder so eintönig wie die binären Signale noch verursacht es Schmerzen. Ein Titel „Wohlgefühl“ würde zwar nicht so knallig rüberkommen, aber die CD besser umschreiben.

Denn was Arthur Stauder (eDrums), Toni Schulz (Keyboards und Samples) und Mastermind und Sänger Michael „Michi“ Mayer – kurz Eisenfunk – mit diesem Album abliefern ist aller Ehren wert. Eisenfunk sind zwar auf dem Tanzboden zu Hause, und das hört man auch jeder Nummer an, aber man kann sich die CD auch ganz genüsslich auf dem heimischen CD-Player oder im iPod zu Gemüte führen.  Den drei Jungs gelingt es mit einer wunderbaren Leichtigkeit, Melodien und Harmonien mit harten Elektro- und Industrialsounds zu erweitern und nicht zu erschlagen. Und als ob das überhaupt kein Problem wäre, wird der ganze Soundmix noch mit Noise-Elementen verfeinert.

So einige bayrische Elektrokünstler sind ja nicht nur für ihren guten Sound, sondern auch für musikalische Experimente und kritische Texte bekannt – Eisenfunk sind auch hier glücklicherweise keine Ausnahme.
Zum Beispiel der Song „Zaubereien“ – der nichts anderes ist als das „Palästinalied“ von Walther von der Vogelweide. Es ist zwar nicht die erste neuere Vertonung dieses Materials, z.B. gibt es von Qntal eine hörenswerte Version, und es ist auch nicht die glockenklare Sopranstimme der Sängerin (die leider nicht namentlich erwähnt wird), die dieses Stück zu einem gelungenen Experiment werden lässt – sondern die Symbiose mit dem Industrialbeat, die ich SO noch nicht gehört habe.

Oder als Beispiel für zeitkritische Texte: Guantanamo. Als Opener ein George W. Bush Sample mit dem üblichen fadenscheinigen Rechtfertigungsversuch diesen menschrechtswidrigen Gefängnisses, gefolgt vom typischen Eisenfunk- Sound und Textzeilen wie: „Du bist schuldig – woran, das wissen wir noch nicht – Du bist schuldig – es kommt nur auf die Mittel an“. Eine eindeutige Aussage gegen Guantanamo und Staaten, die auf Recht und Gesetz pochen, sich selber aber nicht darum kümmern.

Aber Eisenfunk wären nicht Eisenfunk, wenn Humor und der pure Spaß nicht auch ihren Platz hätten. Und da ist es egal, ob es ein Video wie das zu „Werbepause“  (das mit einem weiteren auf der CD drauf ist) oder ein Hidden Track wie #13 als Beweis herhalten. Gerade dieser Tack 13 sprüht vor Witz und Humor wie sonst nur ein „Hamster Dance“.

Auf diesem dritten Tonträger von Eisenfunk gibt es auch ältere Songs neu zu entdecken, wie die neue Version des Tracks „Eisenfunk“, diesmal „Eisenfunk.v3.OR.tar.gz“ genannt. Spätestens mit diesem Song haben Eisenfunk bewiesen, dass sie wirklich remixen können – auch wenn die meisten eigentlich spätestens seit der Version von Das Ichs „Kannibale“ dies wissen sollten.

Mit „Schmerzfrequenz“ liefern Eisenfunk ein rundum gelungenes Album ab, das mit einer Qualität und Originalität aufwarten kann, wie man sie leider viel zu selten antrifft.  Ein Muss für jeden Elektro-Fan und eine gute Scheibe um Leute an diese Musikrichtung heranzuführen.

Meine Anspieltipps: Zaubereien, Track 13, Guantanamo (Und wer jetzt immer noch nicht überzeugt sein sollte sich die CD zu kaufen, hört noch kurz in „Sputnik“ rein und lässt dann sein Geld beim Plattendealer seiner Wahl.)

1    Intro   
2    Schmerzfrequenz
3    Eisenfunk.v3.OR.tar.gz
4    Gladiator
5    Guantanamo
6    Sputnik
7    Werbepause
8    Moonfake
9    Das Land des Herren
10    Zaubereien
11    BayernFunk
12    Video: Werbepause
13    Video: Schmerzfrequenz
+ 2 Hidden Tracks

erschienen bei danse macabre

erhältlich u.a. bei Amazon und Hörproben vorm Kauf am besten bei MySpace.

Facebook Kommentare

EINEN KOMMENTAR POSTEN.