Wertstahl – Kontrol


Wertstahl - Kontrol2003 veröffentlichte eine siebenköpfige Gruppe aus Aschaffenburg ihr Erstlingswerk mit dem Namen „://firewall“, und dann wurde es ziemlich ruhig um diese Band. Sechs Jahre nach dem ersten Album und nach einer Produktionszeit von drei Jahren und gibt es nun endlich Neues von „Wertstahl“: das Album „Kontrol“. Das mittlerweile geschrumpfte Team, noch bestehend aus  S. Hartmann (W.A. Mossad), R. Bahlmann (kNort) und A. Kaiser (=judas=) sowie S. Sippel (deDokter), legt mit dem neuen Longplayer ein Album vor, das seine EBM-Vorbilder nicht verleugnen kann. Aber zum Glück auch nicht muss.

Auch wenn wir immer noch warten, dass bekannte Heroen wie „Front 242“ oder „Skinny Puppy“ vielleicht irgendwann mal zu alter Größe zurückkehren, so müssen wir dank „Wertstahl“ wenigstens nicht mehr auf gut gemachten EBM mit Industrial-Anleihen verzichten.

Das Album „Kontrol“ glänzt vor allem durch eine wirklich ausgefeilte Produktion. Ich weiß nicht, ob es daran liegt, dass man von „Wertstahl“ sechs Jahre lang bis auf ein paar Remixe und Samplerbeiträge nichts gehört hat, oder ob es an der wirklich langen Produktionsdauer von drei Jahren liegt, auf jeden Fall hat es dem Album sehr gut getan. Die Masse der Songs sind von der Grundstruktur her eher gehobener Durchschnitt, aber durch die wirklich herausragende Produktion bieten sie mehr, als man sich von ihnen erhoffen könnte.

Songs wie „Identify Second Pass“ oder „The Revengist“ erinnern stark an „Projekt Pitchfork“, aber zum Glück an die “guten Alten“. Und der Song „Sudden Death“, der im positiven Sinne eigentlich recht einfach ist, ist aufgrund der Produktion nicht nur sehr gut tanzbar, sondern nach meinem Geschmack sogar eine der stärksten EBM Nummern der letzten Jahre.

Die großen Qualitäten von „Wertstahl“ liegen wirklich in ihrem handwerklichen Können. Nicht herausragende, aber sehr gut hörbare Melodien, interessante Breaks an der richtigen Stelle sowie die wirklich gelungene Produktion lassen „Kontrol“ zu einem tollen Album werden. Einzig allein die Stimme, die aber zum Glück nicht durch einen Verzerrer geschickt wurde – oder nur so wenig, dass es nicht störend auffällt –  lässt einen kleinen Wermutstropfen bei mir zurück. Nicht, dass selbige schlecht wäre, das auf keinen Fall, aber irgendwie klingt sie mir etwas zu sehr nach „Front 242“. Ob das gewollt oder stimmlicher Zufall ist, das kann ich allerdings nicht sagen. Diese Ähnlichkeit ist für meinen Geschmack allerdings etwas zu stark, deswegen würde „Wertstahl“ von mir auf einer Skala bis 10 Punkten auch nur 9 bekommen. Wäre man hier etwas eigenständiger, würde ich „Kontrol“ als das mit Abstand geilste EBM Album der letzten Jahre bezeichnen, so ist es „nur“ ein verdammt gutes.

 

Tracklist:
1. Let It Crack
2. Time For Smiling
3. Kontrol
4. Identity First Pass
5. Identity Second Pass
6. The Revengist
7. Only The Young Die Good
8. Der Mechanische Soldat (DOPE)
9. Sudden Death (ALBUM)
10. Kämpfer
11. Zen Forge
12. XP
13. Cellphone Ringtone
14. Identity Second Pass (Funker Vogt Remix)

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