WUMPSCUT – Siamese


wumpscut - siameseWir haben 2010, und was fehlt dieses Jahr noch? – Richtig, das neue :wumpscut:-Album. Aber pünktlich wie ein Uhrwerk legt uns Rudy Ratzinger am 16.04.2010 sein neuestes Mach(t)werk Siamese in die CD-Player. Und wie immer gibt es nahezu unzählige Erscheinungsversionen. Mal mit DVD, mal mit Bonus-CD oder auch mit diversem Wumpscut-Merchandise. Auf jeden Fall genug Argumente nicht einfach ein paar MP3s zu ziehen, sondern sich wirklich Hardware in den Player zu schieben.

Nur lohnt es sich denn auch? Schließlich ist eine schöne Verpackung, auch wenn sie hauptsächlich aus Abbildungen von Skeletten von siamesischen Zwillingen besteht, zwar eine nette Sache, aber definitiv kein Kaufgrund. Da gehört schon entsprechende Mucke dazu. Und da hat Meister Ratzinger schon so geniale Highlights wie Embryodead oder Wrath of Babes rausgehauen, aber halt auch Sachen, bei denen ich froh bin die Titel aus meinen Kopf verbannt zu haben.

Und wie schaut es jetzt mit Siamese aus? Im TV würde jetzt „Top oder Flop“ gesagt werden und je nach Sender wäre es dann dieses oder jenes. Und wenn es z.B. bei RTL Top wäre, dann natürlich auf Pro7 ein Flop… aber ich schweife ab. Deswegen mal ganz schnell zu den Songs, um die es geht. Hier also :wumpscut: – Siamese in der Einzelkritik:

Los geht das Ganze mit Falling from Lucifer´s grace – und wie es losgeht. Rudy zeigt schon mit dem ersten Song, wo der Hammer hängt. Schnell, hart und aggressiv wie zu Bunkertor 7 Zeiten. Gleich am Anfang der erste Kracher, der daheim oder auf der Tanzfläche gleichsam zu zelebrieren ist.

Boneshaker Baybee ist dann aber gleich noch eine Steigerung zu Track 1. Nicht nur, dass dieser Song auch wieder (und noch mehr) tanzflächentauglich ist, er hat einfach das gewisse Wumpscut-Etwas. Selbst wenn einem das Kreissägen-Sample bekannt vorkommt, hier wird es intensiver, härter und genialer genutzt. Und das soll den anderen Song in keinster Weise schlecht machen, der war auch schon mehr als genial.

Bei Siamese wird es dann auch erstmal etwas ruhiger. Und ein typischer Ratzinger. Kontrovers. Provokativ. Mit einer ganz eigenen Stimmung, die so nur Ratzinger zu schaffen vermag.

Ziribit ist für mich der Schwachpunkt dieser CD. Aber was für einer. Ich möchte mein Haus, mein Auto und meine lila Kuh drauf verwetten, dass 95% aller Electro-Bands froh wären, wenn sie so ein Highlight hätten. Gradlinig wie in den 90ern knallt er uns dieses pianolastige Instrumental um die Ohren, dass es eine wahre Freude ist. Aber ganz ehrlich, auf Dauer geht mir dieses Hundegebell etwas auf die Nerven.

Der nächste Song, Auf Wiedersehn im Massengrab, kommt dann für Wumpscut-Verhältnisse wieder recht ruhig rüber. Dunkler als schwarz, musikalisch wie textlich. Wie gesagt, recht ruhig, aber rhythmisch treibend.

Und schon kommt das nächste absolute Highlight von Siamese: Teufelszeug (auch wenn Rudy wie ein waschechter Bayer „Teufelszeuch“ singt). Das ist mal wieder so ein typischer Wumpscut-Kracher. Laut, schnell, brachial und nur „für die Kinder der Nacht“ – einfach reinhören und ihr wisst, was ich meine 😉

„Wir haben die Ewigkeit um dein Fleisch kennenzulernen“ Dieses doch relativ einfallslose Zitat aus „Hellraiser 2“ läutet Bam Bam ein. Und der Song hat ja mal auch rein gar nichts mit dem Kleinen von Familie Feuersteins Nachbarn Geröllheimer zu tun. Aber er ist ein Paradebeispiel, wie ein guter EBM-Industrial-Song gestrickt ist. Ein treibender Rhythmus, ganz oft Bam Bam Bam Bam Bam, unterbrochen von einem Teil oder dem ganzen genannten Sample. Fertig. Und das Geniale bei Rudy ist: es passt einfach! So einfach es auch in der Theorie klingt, das schafft kaum jemand. Vor allem nicht in dieser Perfektion.

A propos Perfektion. Mit Loyal to my Hate kommen wir nunmehr auch zu meinem absoluten Top-Favoriten aus diesem Album. Unfassbar tanzbar, viel komplexer als die meisten Songs auf Siamese. Mit Songs wie diesem hat sich Rudy Ratzinger den Titel Meister verdient und verdient ihn sich immer wieder. Einfach anhören und vom ersten Ton an begeistert sein.

Da nach Loyal to my Hate definitiv kein weiterer Kracher mehr kommen kann, ich halte es für unmöglich das noch zu steigern, folgt mit Blood Stigmata ein eher verspielter, ruhiger dahintreibender Song, der es dennoch schafft, seine ganz eigene Kraft auszuspielen.

Den krönenden Abschluss bildet mit Killuh das einzige Stück, das von einer weiblichen Stimme interpretiert wird. Der erstaunlich vielschichtige Song geleitet uns dann auch ruhig aus diesem hervorragenden Album hinaus. Killuh klingt so ganz anders als der Rest des Albums und passt sich dennoch harmonisch in das Gesamtbild ein. Ein weiterer Anspieltipp.

Jetzt sind knapp 50 Minuten um, und was bleibt? Nun, zum Einen das Wissen, dass Rudy Ratzinger nichts verlernt hat. Zum Anderen, dass die Zeit wieder viel zu schnell vorbei gegangen ist – auf eine CD passen mehr Minuten. Und bei Wumpscut in dieser Qualität wünscht man sich nur, dass diese Minuten doch auch ausgenützt worden wären.

Meister Ratzinger hat mit Siamese endlich wieder mal ein absolutes Glanzlicht abgeliefert, von mir eine klare 11 auf der Skala bis 10.

Erscheint am:

16.04.2010

Tracklist:
1. Falling From Lucifer’s Grace
2. Boneshaker Baybee
3. Siamese
4. Ziribit
5. Auf Wiedersehn im Massengrab
6. Teufelszeug
7. Bam Bam
8. Loyal To My Hate
9. Blood Stigmata
10. Filluh

WWW-Links:
http://www.wumpscut.com/
www.myspace.com/wumpscut

 

 



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