NUDE *Partner-Interview*


NudeAm 09.10.2010 führte unser Partner promofabrik mit Isabelle, Georgie, Flo und Marc von NUDE anlässlich des Elektrisch Festival Zwickau ein Interview. Gerne posten wir dieses komplett für Euch – noch bevor unsere Review zu Basic Guerilla Moves auch auf unseren Seiten zu finden ist.

Hallo zusammen, schön, dass wir uns heute hier zusammensetzen und ein wenig plaudern können. NUDE ist ja eigentlich ein Nachfolger der Legende „Sabotage Qu’Est-Ce Que C’Est“. Isabelle Gernand und Marc Werner, diese beiden Namen fallen, wenn man sich genauer mit der Historie dieser Band beschäftigt. Diese beiden Namen fallen auch in der Biographie von NUDE, dem Ende 2007 gegründeten Projekt. Isabelle, Marc, erzählt doch mal, warum hat sich „Sabotage Qu’Est-Ce Que C’Est“ aufgelöst?

Marc: Wir waren mit SABOTAGE ja ziemlich erfolgreich, wollten aber neue Wege gehen, die so mit SABOTAGE nicht möglich gewesen wären.

Isabelle: Mich hat die damalige Szene gelangweilt, die Labelarbeit war extrem nervig und wir haben damals mit Daniel B. von F242 beschlossen, ein neues Projekt zu starten.

Georgie: Ich schmücke mich ungern mit fremden Federn.

Und wie kam die Idee mit NUDE?

Marc: Aus der Notwendigkeit heraus, etwas vollkommen anderes zu machen.

Isabelle: ich fand den Namen passend, dieses Getue von Leuten und Bands hat mich einfach nur noch abgestoßen, ich wollte, dass wir uns weiterentwickeln.

Georgie: Darf ich jetzt was sagen?

Klar Georgie, das darfst du 😉
NUDE bedeutet ja wortwörtlich übersetzt: NACKT. Was genau ist so „nackt“ an euch? Die „nackte“ Wahrheit, das Hüllenlose oder doch eher eine Art der Entblößung?

Marc: Als Künstler entblößt man sich ständig. Man kehrt sein Innerstes nach außen und ist in gewisser Weise so dem Äußeren ungeschützt ausgesetzt. Das hat aber auch etwas Unverstelltes und auch Ehrliches.

Georgie: Di Woarheid, nossing bud se Woarheid!

Isabelle: Der nackte Wahnsinn.

Heute genau erscheint euer Vinyl „Souvenir“ – im Original von „Sabotage Qu’Est-Ce Que C’Est“. Welche Idee steckt hinter diesem Re-Release?

Georgie: Ich fand den Titel geil und musste einfach mal ran.

Isabelle: Es war aber eigentlich kein Plan, etwas zu covern, das hat sich einfach so ergeben…

Marc: Auf der Suche nach Titeln, die wir covern könnten, sind wir über Umwege auf den „eigenen“ Titel gestoßen. Dann kamen noch LET ME GO von HEAVEN 17 und BEING BOILED von HUMAN LEAGUE dazu.

NUDE seid ja nicht nur ihr drei…. Es sind ja viel mehr Leute am Start: Georgie, stell dich und die anderen Mitstreiter doch bitte einmal vor…

Georgie: Hallo, mein Name ist Georgie – ich bin der Sklave, der im Keller sitzt und die Peitsche anhimmelt.
Flo ist unser Drummer und ein Freak im Bezug auf Funkcuts – wir nennen ihn auch „tightness“
Johannes ist unserer Musiker aus Österreich, er bringt ganz gern den Schmä in unser Set.
Tweeky ist ein Rapper/Sänger/Musiker aus Schweden und ihr hört ja was er macht.

Eure Musik ist (und das mit Sicherheit ganz bewusst) nicht in irgendwelche Schubladen zu stecken. Sie ist eher eine große Kommode mit vielen verschiedenen Schubfächern. Umschreibt uns euren Sound doch mal ein wenig…

Marc: Es geht um die Umsetzung purer Energie, dabei bedienen wir uns der verschiedensten Genres, auf die wir uns aber nicht festschreiben wollen. Wir machen in jeder Schublade (Genre) was wir wollen und drücken Ihr unseren unverwechselbaren Stempel auf.

Georgie: So wie du und ich unterschiedliche Musik hören, setzen wir diese frei Schnauze auch um und bringen das, was uns Spaß macht auf die Bühne.

Ihr wohnt ja nicht alle am selben Fleck. Wie läuft es da mit dem Musikmachen?

Marc: Isabelle, Georgie, Flo und ich leben in derselben Gegend, während Johannes in Wien und David –Tweeky–Ahlund in Stockholm lebt. Das ist aber kein Problem, denn über Internet etc. können wir uns bestens verständigen. Schließlich haben wir uns so ja auch alle kennengelernt.

Isabelle: ich stell mich in Georgies ungelüfteten Schuhschrank, dann bin ich schneller beim Einsingen!!

Georgie: Ich versuche ideale Bedingungen für alle Künstler zu schaffen und so hänge ich einen Ball getragener Schuhe, über Wochen, zu einem Kreativen Käsemauken-Inspirations-Duftball in dem besagten Schuhschrank auf.

Wer zeichnet sich eigentlich für die Texte verantwortlich?

Marc: Die schreibt bei uns eigentlich jeder. Vieles entsteht aus dem Bauch heraus und bei der Arbeit an den Titeln.

Georgie: Es werden Themen hin und her geschoben und am Ende feilt jeder an den Parts sodass es passt.

Was könnt ihr uns zu den Vorabauskopplungen des Songs „Ruff, Rugged + Raw“ und dem Cover von Heaven 17’s  „Let me go“ verraten?

Marc: Mit diesen Vorabauskopplungen wollten wir unser Feld abstecken, von den etwas härteren Stücken (RUFF, RUGGED + RAW) bis hin zu den eingängigeren Titeln (LET ME GO). Um schließlich dieses Feld mit dem Album dann doch wieder zu überschreiten.

Georgie: Ich wurde gezwungen – wie bereits erwähnt (Keller-Peitsche)!

Werdet ihr zukünftig noch mehrere ältere Sachen neu vertonen?

Marc: Ende diesen Jahres wird es noch eine weitere Auskopplung vom Album BASIC GUERILLA MOVES geben, die ebenfalls eine Coverversion ist: BEING BOILED von HUMAN LEAGUE. Aber ansonsten werden wir vermutlich keine weiteren Titel mehr covern.

Georgie: Also ich hab grad ’nen Lauf und werde mich ausschließlich dem Vergewaltigen von Bohlen’s altem Material widmen – Geronimo’s Cadillac here i come RMX.

Flo, ist ja der Schlagwerker bei NUDE. Und leider ist er nicht immer mit dabei. Warum eigentlich?

Marc: Flo ist unser fester Drummer, der leider nicht immer kann. Deshalb haben wir weitere Drummer am Start, die sich jedoch nicht in dem Sinn kreativ an den Produktionen beteiligen. Manchmal treten wir auch mit zwei Drummern gleichzeitig auf.

Georgie: Flo ist ein fester Drummer – ist immer ein Fest mit Flo als Drummer.

Flo: Äh…

Flo wie kommst Du mit  den ganzen Breaks, Beats und Hits zurecht, ich stelle mir das ziemlich schwierig vor. Wie kommst du mit den ganzen Sets klar?

Flo: Hi, Ich arbeite eng mit Georgie zusammen und schaue, dass wir genug Raum für Livesets schaffen. Die Drumloops, die ich einspiele, werden von Ihm nachgebaut oder eben so manipuliert, dass bestimmte Elemente wie Breaks oder Drumrolls von mir zusätzlich im Liveset getriggert werden.
Es ist einer der spannendsten und neuartigsten Dinge, die es live zu sehen gibt.

Euer neues Fulltimewerk heißt „Basic Guerilla Moves“ – wofür steht dieser Titel. Da lässt sich ja so einiges hinein interpretieren ….

Marc: Ja, und das ist auch gut so. Was wir mit diesem Album liefern, ist der Soundtrack zum Aufruhr. Die Gesellschaft gerät derzeit in Bewegung und das versuchen wir in unseren Stücken und auch vom Artwork her zu verarbeiten.

Isabelle: Es wird auch höchste Zeit, da wir jedes Mal die Krise bekommen, wenn wir die Kommentare unserer ach so demokratischen Politiker zu demonstrierenden Schülern z.B. hören: O-Ton: das ist Missbrauch der Eltern an der Demokratie. Wie jetzt? Wenn man erst 13 ist, darf man keine Meinung kundtun? Ja super!!

Georgie: Die Jugend wurde lange genug stillgehalten mit Drogen, TV und Alkohol, – jetzt gibt’s Revolte und Musik, die dazu anspornt mal auf die Barrikaden zu gehen. Verschafft euch Gehör und schreit raus was Ihr wollt !

Auf dem Album BASIC GUERILLA MOVES guten Stück sind neben einem Intro, einem Outro und einem Bonustrack 13 Songs zu hören. Wie lange haben die Arbeiten am Album gedauert?

Marc: Ja, das ist ne Menge Zeug … Wenn man alles so zusammen zählt, war das eine Arbeit von ca. 2 Jahren. Die meisten Titel sind schon vor langer Zeit entstanden. Wir sind in dieser Zeit sehr viel aufgetreten, an den verschiedensten Orten, vor unterschiedlichstem Publikum. Dann waren wir als NUDE DJ GUERILLA auch viel unterwegs, dieses Jahr auch knapp drei Wochen in den USA. Da bastelt man immer wieder an den Stücken und so entwickeln sie sich.

Georgie: Wir haben das Album ganz eigenständig produziert und das Liveset ist eben ein echtes Liveset, wie wir uns das vorstellen als elektronische Band – bei uns geht es nicht um das Auswendiglernen von Akkorden für die Bühne, sondern darum, ein sonares Erlebnis zu schaffen, das dir deine Sinne komplett in Aufruhr bringt.

Bitte nehmt euch doch – jeder für sich selbst – einen Favorit heraus und erzählt kurz uns etwas zu dem jeweiligen Stück…

Isabelle: Mir gefallen natürlich alle gut, aber live mag ich momentan am meisten RUFF; RUGGED + RAW.

Marc: Das ist schon schwierig, da ich jeden Titel vom Album liebe. Aber derzeit gefällt mir BEING BOILED sehr gut. Er hat genau die richtige Mischung von eingängigen Hooklines und einem extremen Beat, der sehr nach vorne geht. Und die Mischung von männlichen und weiblichen Vocals, Rap und Gesang gefällt mir sehr gut.

Georgie: HEADBITE und HERE I COME sagen viel. Aber ich mag die Vielfalt und somit auch SOUVENIR als Beispiel für Diversität.

Flo: trinkt einen Schluck und schüttelt den Kopf

Auch euer Artwork, die ganzen Logos, Bilder und der gesamte Internetauftritt machen ordentlich etwas her. Wer ist dafür zuständig?

Marc: Darum kümmere ich mich hauptsächlich. Hierfür arbeite ich mit Ralf, einem alten Freund, zusammen, mit dem ich mich nahezu blind verstehe, da wir schon sehr viel zusammengearbeitet haben. Er setzt meine Ideen immer genial um. Und ich denke, wenn man die Folge unserer Releases sieht, haben wir auch im Grafischen unseren ganz eigenen Stil gefunden.

Ja, das stimmt Marc, schwenken wir noch kurz zum Thema LIVE Auftritte über: Wie kann man sich eine Show von euch vorstellen?

Marc: Du musst stark sein, um unsere Shows überleben zu können. Wir geben auf der Bühne Alles und erwarten das von unserem Publikum ebenfalls. Wir spielen echt live und jeder Auftritt klingt anders. Es lohnt sich also immer wieder zu kommen.

Isabelle: ich wundere mich oft, wenn ich hinterher Fotos oder Videos sehe, weil ich gar nicht immer mitbekomme, was da so hinter und neben mir passiert!

Georgie: Ich schwimme meist auf der Welle des Publikums und ab einem bestimmten Zeitpunkt haben sich alle daran gewöhnt, dass es nicht eine Show ist zum Hinsetzen und Zuschauen – sondern Mitspringen und uns ebenfalls anfeuern, dann passieren meist Dinge, die ich nicht bewusst plane.

Flo: …Äh, ja…

Aber ist es nicht schwer, wenn man sich die Songs von euch anhört, all das auf der Bühne live umzusetzen?

Marc: Um den Sound, den wir bieten, live praktizieren zu können, nutzen wir eine relativ aufwendige Technik. Mittlerweile ist das Publikum einen Sound von gemasterten hochgerechneten CD‘s gewohnt, der so live eigentlich nicht umzusetzen ist. Wir wollen das aber bieten und orientieren uns von der Qualität an den ganz großen Stars. Wir arbeiten deshalb mit wie auf CD gemasterten Basics, die wir auf einen 24-Spur-Harddiskrekorder (Roland VS-2480 mit 24×24 Spuren und bis ans Maximum aufgerüstet), nach Instrumentengruppen (Bass, Drumbasics, Flächen, Leads, Vox, Effekte) aufdröseln, anordnen und live mischen und loopen. Es kann so also das Mischungsverhältnis manipuliert und den örtlichen Gegebenheiten angepaßt werden, als auch die zeitliche Abfolge bearbeitet werden. An dieser Stelle kann also geloopt werden und live relativ viel improvisiert werden und wir klingen dann immer noch wie von einer gemasterten CD 😉 Insgesamt gehen wir nach vorne zum Stagemischer mit dem Endmix nur stereo wie ein DJ raus, damit der Mix nicht weiter von Dritten manipuliert werden kann. In den Mischer auf der Bühne geht dann auch noch das Signal der Roland-Grooveboxen (MC-909, manchmal auch mit der Roland MV-8000Workstation) mit Samples und Beats, die live gefiltert werden. Ebenfalls von der Bühne gemischt wird das Signal der Livedrums. Unser Drummer (manchmal auch treten wir auch mit 2 Drummern auf) spielt selbstverständlich wirklich live. In den Basics vom VS-Mischer befinden sich jedoch natürlich die stark effektierten Sounds und Loops über die die Livedrums gespielt werden. Hierzu verwenden wir die Roland-V-drums in Kombination mit akkustischen Drums. Bei den Stimmen verfahren wir im Grunde ähnlich: Wir haben auf dem Mischer einige Stimm-Effekte, Phrases und Aufnahmen, die Live mit dem Gesang vor Ort gemischt werden. Live findet ein ReSampling der Stimmen statt und Bearbeitung über Kaos-Pad und die internen Effektgeräte des VS-2480. Also ich finde „liver“ kann man mit der Art von Musik und diesen Ansprüchen nicht sein ! 😉

Und welche Teile der Welt habt ihr schon alles bereist und v.a. bespielt?

Marc: Ich denke in Europa waren wir schon so ziemlich überall und in den USA waren wir dieses Jahr auch unterwegs. Da fehlen also „nur noch“ Afrika und Asien…haha. Es wird also ab jetzt richtig abenteuerlich.

Georgie: Asien – das wird spannend! Oder Turkmenistan !

Wo kann man euch als nächstes auf der Bühne antreffen?

Marc: Wir werden einige einzelne Shows in loser Folge hinlegen. Wir machen ja nachwievor unsere „Black Gix“, bei denen wir unangekündigt irgendwo auflaufen… Außerdem sind wir mit der NUDE DJ GUERILLA Ende des Jahres nochmal in den USA unterwegs.

Vielen Dank für das Beantworten unserer Fragen und eure Zeit!
Habt ihr noch etwas auf dem Herzen, was ihr schon immer einmal loswerden wolltet?

Marc: Vielen Dank! Ja, kauft unser neues Album und kommt zu den Shows – sonst habt ihr was verpasst!

Georgie: Make me fu§$%&! RICH!!!

Isabelle: Move your ass and start a riot!

NUDE im Web:
www.nude-music.com
www.myspace.com/nuderiot
www.facebook.com/nuderiot
http://twitter.com/nuderiot
www.youtube.com/nudebox

by PromoFabrik (www.promofabrik.de) – Oktober 2010

Facebook Kommentare

EINEN KOMMENTAR POSTEN.