ZIN – The Definition


Zin - The DefinitionWenn man das neue Album „The Definition“ von ZIN ganz, ganz knapp beurteilen müsste, dann würde wohl ein „schade eigentlich“ die beste Beschreibung sein. ZIN haben ein wahnsinnig großes Potential und könnten locker mit Größen wie Placebo oder Muse mithalten. Leider tun sie das (noch) nicht. Trotzdem kann man sich „The Definition“ ins CD-Regal stellen, ohne sich schämen zu müssen.

Aber fangen wir mal ganz vorne an. ZIN sind weder die jüdische Wüste noch die Züchtungsinitiative Niederelbe, wie uns Wikipedia vermuten lässt. ZIN sind eine 2005 gegründete Band aus Leipzig. Ja, mindestens seit 2005 gibt es diese Band schon. Und nicht seit 4.5 Jahren oder seit 2007, wie einige einschlägige Webseiten meinen. Denn 2005 erschien schon die EP Valuable Demos – und nach Adam Riese ist es demnach irgendwie unwahrscheinlich, dass es die Band erst 3 Jahre gibt…

Aber 2007 erschien das erste Album von ZIN: Tourists To This World. Spätestens jetzt horchte die Fachwelt auf, was sich da aus Leipzig meldete. Eine deutsche Band, die so international klang, gab es für viele seit den legendären Rainbirds nicht mehr. Für andere waren ZIN einfach nur Placebo 2.0, was vor allem, aber nicht nur, an der stimmlichen Nähe von ZIN-Leadsänger Iven Cole zu Brian Molko liegt. Auch viele Songs erinnerten von ihrer Machart und Struktur schon extrem an Placebo.

Dies hat sich mit dem jetzt vorliegenden Album The Definition deutlich gebessert. Man ist viel eigenständiger geworden, und das tut ZIN sehr gut. Leider verlässt man sich aber auch auf die außergewöhnlichen Qualitäten von Iven Cole etwas zu oft. Wenn ein Song nur von den Emotionen und dem Charisma von Cole lebt, dann ist das unterm Strich leider einfach etwas zu wenig, um ganz oben stehen zu können. Dass ZIN das Potential für den letzten Meter haben, das lassen sie auch auf The Definition immer mal wieder durchscheinen. Zum Beispiel beim grandiosen „She“ oder auch bei „The Pilgrim“ – ein Song, der absolut die Qualität von Placebo erreicht und auch denen gut zu Gesicht stehen würde.

Nur leider halten ZIN dieses Niveau nicht über die komplette Strecke. Einzig allein aufgrund der Qualität von Iven Cole ist „The Definition“ trotzdem sein Geld wert. Dass ZIN seit 2007 deutlich gereift sind, kann man auch nicht abstreiten, auch was das Songwriting von Iven Cole und Markus Estbourg angeht. Und wenn ZIN diesen Weg konsequent weitergeht, dann kommt die nächste ganz, ganz große, charismatische und international extrem erfolgreiche Indie-Band nicht aus England oder USA, sondern aus Leipzig, Deutschland. Und dann findet man in Wikipedia sicher auch einen Artikel über die Band und nicht nur über die Züchterinitiative Niederelbe…

Meine Note: 8.50 / 10

Release: 22.10.2010

Label: Brachialpop / Rough Trade

Stil: Alternative/Indie

Homepage: http://www.zin-music.de

Tracklist:
1. White Peaches
2. 2010
3. Hohenschönhausen
4. The Pilgrim
5. Schizophrenia
6. Mondnacht
7. Cellar Door
8. We Claim Monarchy
9. Rent My Soul
10. She
11. Swim!
12. Visual Bolero

 

 



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