POÉSIE NOIRE *Partner-Interview*


poesie noireHallo Marianne und vielen Dank für eure Zeit!

Poésie Noire wurde bereits Anfang der 80er Jahre gegründet. Seit 19 Jahren ist es ziemlich still um Euch geworden und kürzlich erschien mit „Sense Of Purpose“ wie aus dem Nichts ein neues Album. Was bewegte euch dazu, nach so langer Zeit wieder durchzustarten?

 

Marianne: Während den 19 Jahren haben wir uns noch ein bisschen mit Musik beschäftigt, aber das Feuer für Poésie Noire war nicht mehr da. Poésie Noire blieb aber am Leben durch die Fans. Es war für uns eine große Überraschung, als wir auf das Internet sahen, dass es noch immer Fans gibt in der ganzen Welt.

Also eines Tages sagte Jo, dass er wieder Musik machen und eine CD machen und wieder Konzerte geben wollte. Zuerst dachte ich an die Midlife Krise, aber nein. Das Feuer brannte wieder.

Und als Herman dann sagte, dass er auch mitmachen wollte, waren wir wieder komplett.

„Sense of Purpose“ ist auch unsere Antwort auf die meiste Musik; die nur ein Format ist.

 

Weshalb habt ihr die Band damals „aufgegeben“ – oder vielmehr auf Eis gelegt? Ihr hattet ja immer auch eine äußerst treue Fan-Gemeinde.

 

Marianne: Nach der CD „Marianne“, was ein kleiner Fehler war, war die Lust weg. Der Spass war weg, Herman war weg, Marianne war weg… Und Jo konnte nicht mehr von der Musik leben, also hat er andere Dingen suchen müssen.

 

Sicherlich gab es in diesen 19 Jahren keinen direkten Abbruch zum Musikbusiness. Was habt ihr in dieser Zeit gemacht?

Marianne: Herman hat die Sherman Filterbank erfunden. Jo hat seinen Weg im Musikbusiness gesucht und gefunden und Marianne hat sich mit einigen Texten für Dance Musik beschäftigt.

 

Drei der bekanntesten Tracks der Anfangszeit sind „The Song Of Innocence“ aus dem Jahre 1986, „Pity For The Self“ anno 1989 und „Compjutr Syntax Error“. Ich kann mich noch sehr gut daran erinnern, diese Songs des Öfteren im Club gehört zu haben.

Musikalisch habt ihr viele verschiedene Genres bedient, wenn man eure Alben miteinander vergleicht. Konntet oder wolltet ihr euch musikalisch nicht festlegen?

 

Marianne: Wir konnten uns musikalisch nicht festlegen. Jo wollte immer etwas Neues. So einfach war es. Und dagegen war nichts zu machen. Er wollte sich beweisen, sehen lassen, dass wir mehr konnten als nur Elektro. Heute sagen wir schade, das war dumm, aber wir sind auch froh, dass wir es gemacht haben, denn anders gäbe es „Love Is Colder Than Death“ nicht. Eigentlich hätten wir danach einen Mix im Elektro-Style und weitere Songs machen müssen, aber das haben wir nicht getan.

 

Wenn man die Musik des neuen Longplayers mit der Musik von vor zwei Jahrzehnten vergleicht, ist diese um einiges poppiger geworden. Seht ihr dies als „Weiterentwicklung“ oder vielmehr als „Wechsel“ in eurer Musik?

 

Marianne: Es ist sicher eine Weiterentwicklung. Mit dem Alter wird man ein bisschen softer, aber wir leben auch heute – Musik soll man fühlen – mit neuen Sounds, guten Texten und mit Respekt für unsere Erbschaft.

 

Es ist mit Sicherheit schwierig, eure Musik in eine stilistische Schublade zu zwängen. Der Begriff „Goth New Wave“ passt ja wohl in unserer Zeit nicht mehr so ganz. Auch wenn’s nicht einfach ist – als was würdet ihr selbst eure Musik bezeichnen?

 

Marianne: 80er Jahre Musik? Poésie Noire war immer inspiriert durch die 80’s, wir waren damals jung. Die Musik damals war mehr mysteriös, spannend und exklusiv.

 

Marianne, deine Stimme steht mittlerweile auch wieder mehr im Vordergrund. Welche Gründe könnt ihr uns dafür nennen?

 

Marianne: Jo wollte sich auf das Musik machen konzentrieren, nicht auf das Singen. Und da ich die Texte und die Melodien schrieb, war es ein logischer Schritt, dass ich gesungen habe.

 

Nun ein paar kleine Fragen zu einigen Stücken aus dem aktuellen Album:
„We’ll Die Dancing“ hat mit Sicherheit das Zeug dazu, zum Tanzflächenfüller zu werden – wovon ich mich bei eurem Auftritt in Hasselt habe überzeugen können. Gleichzeitig scheint dieser Track eine Art „Reminiszenz“ an die belgische EBM der späten 80er zu sein. Fühlt ihr euch dieser Musik nach wie vor irgendwie verbunden?

 

Marianne: Ein bisschen. Wir kommen aus derselben Szene und Jo war früher live Mixer von Neon Judgement. Als er nach einer Tour mit NJ wieder Zuhause war, erkannte ich ihn fast nicht wieder. Rock’n Roll. Schrecklich.

 

Mit „Uncertain Smile“ habt ihr ein Stück aus dem Jahr 1989 (aus der 12‘‘ „Oblivion“) wieder neu aufleben lassen. Wieso ausgerechnet dieses Stück?

 

Marianne: Jo wollte diesen Song schon immer wieder machen. Es ist seine Ehrenbezeigung für „The The“, so wie der Titel „Sense of Purpose“ das für den Sound ist.

 

„Die Sonne“ – ein Titel mit teilweise deutschem Text. Wie kommt’s, dass ihr euch die deutsche Sprache hierfür ausgesucht habt?

 

Marianne: Deutsch passte bei der Musik. Ich finde Deutsch eine sehr lustige und poetische Sprache, die mich an die „Sendung mit der Maus“ und die „Sisi“-Filme erinnert. Wir sind auch Wintersportfanatiker und die Kommentare auf dem Deutschen Fernsehen sind super.

 

In den Anfangstagen von „Poésie Noire“ wart ihr meines Wissens nach eine siebenköpfige Band. Mittlerweile seid ihr zum Trio „geschrumpft“. Dass dies aber auch live funktioniert, habt ihr ja unlängst bewiesen. Aber werdet ihr auch weiterhin als „3-Mensch-Band“ musikalisch unterwegs sein?

 

Marianne: Ich glaube schon. Mit „Sense of Purpose“ hat das mit drei Leuten gut geklappt. Sieben waren viel zu kompliziert, aber das kam daher, weil die Sequenzer damals noch nicht stabil genug waren und wir alles live machen mussten. Aber drei Leute sind ok für uns. Der Kern war immer ein Trio.

 

Nachdem sich „Poésie Noire“ Anfang der 90er „zur Ruhe begeben hat“, war Jo aber noch weiterhin in der Musikindustrie tätig – als Event- und Tour-Manager, und dann auch als A&R-Mann beim belgischen „Arcade“-Ableger. Ist die Musik auch weiterhin – abseits von „Poésie Noire“ – sein berufliches „Zuhause“?

 

Marianne: Davon handelt der Song „The Air“: Wir atmen Musik. Ohne Musik kein Leben.

 

Herman’s „Sherman Filterbank“ genießt seit gut anderthalb Jahrzehnten bei unzähligen Musikern weltweit gewissermaßen Kultstatus. Ihr setzt dieses Teil ja nun auch live auf der Bühne ein. Was hat ihn zu der Entwicklung dieses „Klang-Verbiegers“ veranlasst?

 

Marianne: Als wir früher etwas Neues kauften, Synthesizer oder Sampler, schraubte Herman sie immer auf, um zu sehen, wie das funktionierte. Und dann sagte er immer: „Das kann ich auch“. Eines Tages fand er keinen Apparat, der das tat, was er wollte, also hat er selbst einen zusammengebastelt: die Sherman Filterbank.

 

Mit eurem Auftritt auf dem diesjährigen „Sinner’s Day“-Festival in Hasselt/Belgien habt ihr ja ein großartiges Comeback hingelegt. Wie sieht’s aus mit weiteren Live-Geschichten?

 

Marianne: Live haben wir nichts geplant, wir möchten nur spezielle Events machen, nur für die Musik und die Fans. Eine Tour ist fast unmöglich, weil Jo und Herman ihre Geschäftsangelegenheiten haben, aber man weiß ja nie. Ein Auftritt ist also etwas sehr Exklusives.

 

Das aktuelle Album „Sense Of Purpose“ setzt musikalisch wieder da an, wo ihr vor 19 Jahren aufgehört habt – wenngleich – wie bereits erwähnt – in einiger Hinsicht an die „heutige Zeit” angepasst. Werden wir uns also auch auf weitere Veröffentlichungen aus dem Hause „Poésie Noire“ freuen dürfen?

 

Marianne: Ich glaube schon. Zuerst gibt es ein Remastering von „Love Is Colder Than Death“. Jo ist schon wieder beschäftigt mit neuer Musik, Herman entwickelt ein neues ‚Evil Device‘. Natürlich gehen wir weiter.

 

Vielen Dank für deine Antworten. Nach so langer Zeit hast du sicherlich ein paar wegweisende Worte an eure Fans und die Musiklandschaft?

 

Marianne: Wir danken den Fans für ihre Treue und wir hoffen, dass ihr „Sense of Purpose“ eine Chance geben werdet.

 

 

Poésie Noire Website:

www.poesienoire.com

 

Poésie Noire MySpace:

www.myspace.com/poesienoire

 

Sherman Filterbank:

www.sherman.be

 

 


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