METALLSPÜRHUNDE – Moloch


metallspuerhunde - molochDas ist die Ausnahme von der Regel
der unwahrscheinliche Fall
Das ist das Steinchen im Getriebe
das nicht vorgesehen war
Das ist Zuviel
Das ist zu Groß

Das ist nicht etwa der Text einer weiteren Japan-Erdbeben-Tsunami-Fukushima-Benefiz-CD, sondern mit diesen Worten empfängt uns das aktuelle Album Moloch von den METALLSPÜRHUNDEN, das am kommenden Freitag erscheint. Und mit diesem Teil erfinden sich die zum Duo geschrumpften METALLSPÜRHUNDE zum Teil auch neu. Die noch im letzten Album Böse Wetter vorherrschenden harschen Industrial- und Elektroklänge weichen den auf Moloch sehr gut arrangierten, stark an NDW erinnernden Stücken mit modernen Elektroklängen. Einzig allein das Titelstück „Moloch“ erinnert noch an alte Industrial Rock Zeiten.

Textlich hatten METALLSPÜRHUNDE schon immer Einiges zu bieten, aber diesmal übertreffen sie sich selbst. Hier wird Klartext über zwischenmenschliche und weltpolitische Ereignisse geredet. Ja, dieses Album will Botschaften vermitteln – und das gelingt ihnen mit ihren abwechslungsreichen Texten auch. Mal im Stil eines Oswald Henke, ohne ihn wirklich zu kopieren, und mal schon fast schlagerartig – und immer wieder bitterböse an der Wirklichkeit orientiert, wie z.B. bei „Kränze“: „Sonderreportage vom Orte des Geschehns. Alle schalten ein, denn der Tod ist telegen. Der Hergang des Unglücks wird rekonstruiert und mit bunten Farben in 3D animiert“.

Ja, irgendwie klingt das Ganze nach 80er Jahre Neue Deutsche Welle. Und irgendwie stimmt das auch, aber nicht im Sinne von „jetzt kopieren wir mal dieses“ und „das hat damals auch gut funktioniert“, sondern im geistigen Sinne der besten, politisch engagierten NDW-Songs. METALLSPÜRHUNDE machen ihre eigene Musik, die sich irgendwo zwischen Pop, NDW und düsterem Wave bewegt und die wirklich eine kompositorisch gelungene, sehr gute Grundlage zu ihren Texten bildet. Hier vernimmt der geneigte Zuhörer kein fröhliches Geklimper und hört wie schlecht, furchtbar und negativ doch alles ist. Es wird auf einzelne Probleme eingegangen und Ansichten vermittelt, die einen nicht bevormunden oder das eigene Denken abnehmen sollen, sondern oft einen guten Anstoß bieten, sich selbst mal mit dem einen oder anderen Thema (nochmal) intensiver zu beschäftigen.

Zusätzlich packen die METALLSPÜRHUNDE der Erstauflage auch noch ein Remix-Album mit dazu, das glänzt zwar nicht durchgängig, aber wie sagte meine Oma schon immer: „Einem geschenktem Gaul…“. Und ein paar gelungene Remixe älterer Songs wie „Blut und Spiele“, „Obszöne neue Welt“ oder auch „In deinem Bann“ sind dann allerdings doch auch mit dabei.

Alles in Allem ist den METALLSPÜRHUNDEN mit Moloch ein insgesamt wirklich gutes Album gelungen, das auch Szene-Fremde begeistern könnte. Und wenn die 2 jetzt dann auch noch richtig gut singen könnten – dann wäre es eine 10.

Wertung: 9 von 10 Punkten – Anspieltipps: Alarm, Kränze, Es wird gestorben

Tracklist:
Alarm
Kein Herz
Es wird gestorben
Moloch
Synästhetische Magie
Gespenster
L’Enfer
Es geht weiter
So laut
Die Wand
Das Virus
Kränze
Das Pendel

Zusatz-CD

Blut und Spiele (Kadaver 8)
Blut und Spiele (Noktis)
Obszöne neue Welt (Unmensch)
Obszöne neue Welt (Cyber Saint)
Obszöne neue Welt (Irrlicht)
Mach es wieder gut (Unmensch)
Wo gehst du hin? (Shizophobia)
Ou Iras-tu? (Lissing Black)
Heuchler (Vhelena Projekt)
In deinem Bann (Soul In Sadness)
In deinem Bann (O.S.C.)

Besetzung:

Michael Frasse

Marion Altwegg

 

 

 


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