Shitstorm um Joachim Witt Video zu „Gloria“


Joachim Witt - DomEigentlich hatte ich vor, ein Interview mit Joachim Witt als nächste Veröffentlichung zur „Dom“-Veröffentlichung zu schreiben. Jetzt  gibt es aber einen mittelgroßen Shitstorm gegen das „Gloria“-Video. Aber fangen wir von vorne an.

Und noch eine Anmerkung vorne weg: Eigentlich versucht neurostyle.de, ein polit-freies Musik-Magazin zu sein. Wenn aber versucht wird, dass ein Künstler diffamiert wird, nur um von eigenem Bockmist abzulenken, dann ist das uns schon ein paar Zeilen wert.

Das Joachim Witt Video zu „Gloria“ zeigt unter anderem Soldaten in Bundeswehruniformen und mit deutschen Hoheitsabzeichen, die eine Frau vergewaltigen. Verfolgt man das Video weiter, so liegt der Schluss nahe, dass ein Mädchen, das die genannte Szene beobachtete, ermordet wird. Nach einem Monat hat jetzt der Deutsche Bundeswehr-Verband (DBwV) Joachim Witt für sein Video zum Song „Gloria“ heftig kritisiert. „Bei aller künstlerischen Gestaltungsfreiheit: Das Video verunglimpft deutsche Soldaten in geschmackloser Weise„, erklärt Oberst Ulrich Kirsch, Verbandschef des DBwV, in einer Pressemitteilung. „Ausgerechnet diejenigen, die seit Jahren ihren Kopf für dieses Land hinhalten und etwa auf dem Balkan solche Szenarien verhindert haben, werden hier mit brutalen Gewaltverbrechern gleichgestellt„, so Kirsch.

Okay, das ist seine Meinung und die darf er natürlich auch haben. Was in meinen Augen aber vollkommen daneben geht und diese „Kritik“ deswegen auch in meinen Augen keine Kritik, sondern ein Ablenkungsmanöver ist, ist der Aufruf von Kirsch, „den Unmut gegenüber Witt in dessen Facebook-Auftritt deutlich zu machen„. Diesem Aufruf zum „Shitstorm“ sind dann auch nicht wenige Facebook-Nutzer nachgekommen. Die meisten der Negativ-Äußerungen sind natürlich einfach nur plumpe Beleidigungen, ohne sich auch nur ansatzweise mit dem Lied „Gloria“ im Kontext zum Video auseinanderzusetzen, aber dazu mehr. Erstmal der Punkt Ablenkung: Auf der Webseite der Bravo sind verdammt viele Werbeartikel der Bundeswehr. Mit Titeln wie „Welcher Sport-Typ bist Du?“, „Liam Hemsworth steht auf Skaten“, „Outdoor-Fashion ist IN!“ oder auch „Berg- oder Beach-Typ?“. Selbst „Coole Stundenpläne“ mit Transall, Gorch Fock oder Eurofighter als Motiv gibt es zum Download. Die Bundeswehr wird wie ein Abenteuerurlaub, der nur aus Spaß und Sport besteht, dargestellt. Kein Wort von Kriegseinsätzen, kein Wort von toten deutschen Soldaten – nichts außer Fitness und Fun.

Warum der DBwV gerade jetzt dieses Video so extrem kritisiert, dürfte damit klar sein. Während sich viele Zeitungen und Zeitschriften, z.B. Spiegel, TAZ, Süddeutsche etc., über diese Art und Weise der Bundeswehr-Werbung mokieren, muss man natürlich schnell mal die  „Die armen deutschen Soldaten“-Trommel rühren. Zur Ablenkung und um zu zeigen, wie toll die Bundeswehr doch ist. Das ist eine Art und Weise, die ich persönlich einfach unlauter finde.

Ja, es war, vorsichtig ausgedrückt, „unglücklich“,  dass die gezeigten Soldaten eine deutsche Uniform tragen. Eine Fantasie-Uniform wäre mir auch lieber gewesen. Aber bleiben wir doch mal ehrlich. Der Song „Gloria“ in Verbindung mit diesem Video ist eine Mahnung, es nicht so weit kommen zu lassen. Kein Lied, das sagt: „So ist es“. Und seien wir doch mal ehrlich. Wenn man sich anschaut, was die Amerikaner, die angeblich ähnlich aufgeklärt und menschenrechtlich verankert sind wie wir, sich zum Teil im Irak geleistet haben. Oder aber Spindsaufen, der Totenschädel-Skandal, Anpimmeln, Vergewaltigungen in deutschen Kasernen – all das passiert auch schon heute. Und dass die deutschen Soldaten im letzten Weltkrieg besondern menschenfreundlich gewesen sein sollen, dürfte auch eher ein unhaltbares Gerücht sein. Und wenn dann die Bundeswehr so tut, als wäre der Dienst bei ihr nicht menschlich und menschenrechtlich schwer, sondern ein Abenteuerurlaub, dann ist das für mich eher der Skandal. Aber der Herr Oberst Kirsch hat ja gut abgelenkt.

Und wenn man dann noch die Äußerungen von Joachim Witt zu dem Video liest –  „Bei dem Video zu GLORIA handelt es sich unmißverständlich um eine Kunstform! Wir zeichnen in großen und anspruchsvollen Bildern ein apokalyptisches Horrorszenario! Die Soldaten in diesem Video sind austauschbar! Wenn sich jemand und das tun augenscheinlich viele, auf Grund des dargestellten Hohheitszeichens auf den Uniformen, angegriffen oder gar beleidigt fühlen, entschuldige ich mich dafür! Als ehemaliges Mitglied des Bundesgrenzschutzes (noch zu Zeiten des Kalten Krieges) respektiere ich die Arbeit der Bundeswehr“  – gibt es meiner Meinung nach keinen Grund, sich beleidigend gegen Joachim Witt zu äußern. Eine andere Meinung ist eine Sache, aber die kann man, meiner Meinung nach, nicht einfach nur durch Beleidigungen, braven Befolgen eines Befehls eines Obersts oder spammen von Bildern, die sehr viel eher beleidigend sind, äußern. Für eine andere Meinung sind Argumente notwendig.

Ich würde mich freuen, wenn es hier eine vernüfntige Diskussion zu diesem Thema geben würde. Wer in Joachim Witt einen schlimmen Menschen sieht, kann das argumentativ auch gerne äußern. Selbstverständlich auch die gegensätzliche Meinung zu „Gloria“. Aber rein beleidigende Posts werden mit Sicherheit gelöscht. Zu dem Zwecke dieser Diskussion gebe ich auch für ein paar Tage die Kommentarfunktion komplett frei, d.h. ein Kommentar muss nicht erst bestätigt werden, damit er veröffentlicht wird. Bitte nutzt das nicht im negativen Sinne aus.

Bundeswehr Werbung

 

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Facebook Kommentare

Webseiten Kommentare

  1. Holger Hoffmann
    Antworten

    Auch mir macht es den Anschein, dass der Bundeswehrverband ggf mit diesem Aufruf versucht von der neugeschalteten Werbung der Bundeswehr abzulenken. Ich habe auch mit dem Kopfgeschüttelt als ich z.B. die Werbung mit der Überschrift „Berg- oder Beach-Typ“ gesehen habe. Allerdings finde ich trotzdem das dieses Video die künstlerische Freiheit überzieht.

    Was viele nicht sehen ist, das dieses Video mit den Hoheitsabzeichen von Gruppierungen dazu genutzt werden kann, die Massen gegen die Deutschen Soldaten aufzuhetzen. Beispiele dafür gibt es genug, wie z.B. die Mohammed Karikaturen oder das Video „Innocence of Muslims“.

    Solch künstlerische Freiheit mit Hoheitsabzeichen von Staaten kann Leben in Gefahr bringen und das muss auch einem Künstler bewusst sein oder in diesem Falle bewusst gemacht werden.

    Und um die tiefen Abgründe der Menschen aufzuzeigen kann man hier auch auf abstrakte Bilder zurückgreifen. So finde ich dieses Video sehr anstößig, lässt allen Respekt an der Bundeswehr und ihrer Arbeit vermissen und gefährdet zudem Kameraden im Einsatz.

    Mit freundlichen Grüßen

    Holger Hoffmann

  2. Andreas
    Antworten

    Schwarz-Rot-Gold ist, obwohl es viele Denken, kein Hoheitsabzeichen. Da müsste der Adler mit drauf sein. Platt ausgedrückt: So lange keine Rangabzeichen auf der Uniform drauf sind und so lange die tragende Person nicht behauptet sie wäre Soldat – alles legal. Unglücklich auf jeden Fall, ein bißchen Dumm mit Sicherheit auch. Aber auf den Uniformen sind keine Hoheitsabzeichen, auch wenn das Korinthenkackerei ist. Aber das wäre doch mal ein Punkt, bei dem unsere Politik eingreifen könnte. Die Rechtslage ist da mindestens genauso unglücklich wie das Schwarz-Rot-Gold in dem Video zu sehen ist.

  3. Pat
    Antworten

    Dann erklär mir mal welche Hoheitsabzeichen auf den Deutschen Uniformen sind… Richtig: Schwarz,Rot,Gold…
    In meinen Augen werden in diesem Artikel DInge aus dem Zusammenhang gerissen.
    Zur Erklärung: O Kirsch ist Vorsitzender des Bundeswehrverbandes, einer Art Gewerkschaft der Soldaten, vertritt also Arbeitnehmerinteressen. Wer sich mit der Arbeit des DBwV beschäftigt wird feststellen, dass gerade diese Interessenvertretung sich oftmals kritisch gegenüber der Bundeswehr und ihrer Führung äußert.
    Die Werbekampagnen, die im übrigen auch in der Bundeswehr und unter Soldaten sehr umstritten sind, stammen von der Bundeswehr und nicht vom DBwV.
    Das die Soldaten die ihren Unmut äußern einem Befehl folgen ist Sachlich falsch, wer sich mit Befehlsrecht beschäftigt wird schnell herausfinden warum…

    Das was J-Witt beabsichtigt hat steht nicht zur Debatte, es zählt das was er getan hat und das ist nuneinmal die Darstellung deutscher Soldaten als Vergewaltiger und Mörder.

    Schade, dass du in deinem Beitrag schreibst, dass es überwiegend Beleidigungen gegen Herrn Witt geben würde. Wer sich die FB Seite anschaut wird feststellen, dass dort viele Solidaritätsbekundungen mit unseren Soldaten, sachliche Kritik und zu einem geringen Anteil auch Beleidigungen vorhanden sind. Übrigens sollte man fairerweise auch die Beleidigungen von PRO-Witt Anhängern gegen die Soldaten erwähnen.

    Was mir in diesem Artikel leider komplett fehlt ist die Gegenüberstellung vom Recht auf künstlerische Freiheit und den Persönlichkeitsrechten anderer. Wer sich die „Entschuldigung“ durchliest müsste in meinen Augen erkennen, dass dies keineswegs ein Schuldeingeständnis ist…

  4. Andreas
    Antworten

    „Hoheitsabzeichen“ gibt es in der Form auf der deutschen Bundeswehruniform nicht, das Hoheitsabzeichen der Bundeswehr ist das Bundeswehrkreuz. Das Hoheitsabzeichen Deutschlands die Schwarz-Rot-Gold-Flagge _mit_ Adler. Schwarz-Rot-Gold darf jedermann tragen ohne das es irgendeine Auswirkung hätte. Amtsanmaßung wäre es wenn jemand Rangabzeichen zu einer Uniform tragen würde (Litze reicht schon) oder aber sich in Uniform hinstellen würde und sagen würde „Ich bin Soldat“. Insofern sind die gezeigten Soldaten schon, rein rechtlich gesehen, Fantasie-Produkte und definitiv keine deutschen Soldaten. Rein rechtlich! Ich persönlich bin auch nicht glücklich darüber das S-R-G auf den Second-Hand-Klamotten dran gelassen wurde, und das nicht nur weil meine letzte Uniform ein bordeauxrotes Barrett hatte. Sondern weil es einfach extremst missverständlich ist.
    Der DBvW hat am 14.09.2012 die Werbung in der Bravo ausdrücklich begrüßt. Auf t-Online-Seiten habe ich das gestern (vor Schreiben des Artikels) gefunden, direkten Link leider nicht parat, da ich aktuell unterwegs bin. Und der Oberst Kirsch ist auch Teil der Bundeswehr.
    Wenn die Absicht nicht zur Debatte steht, sondern das was er getan hat – dann hat er nichts getan. Auf jeden Fall keine deutschen Soldaten gezeigt – den die Uniform wird erst zur Uniform inkl. Rangabzeichen. Nicht durch die Flagge (wobei wir aber wieder beim rechtlichen und wahrgenommenen Bild wären).
    Ich habe ca. 300 der weit über 900 Kommentare zur Erklärung von Herrn Witt durchgelesen. Von den ablehnenden Äußerungen war die große Mehrheit gleichzeitig auch Beleidigend. „Riesena…loch“, „Schwachkopf“, „zurück in die Gosse aus der sie kommen“ etc. – sowas sind in meinen Augen Beleidigungen. Und wer sich die Seite genau anschaut, der sieht auch das viele BW-Soldaten Herrn Witt in Schutz nehmen.
    Diese Gegenüberdarstellung fehlt mit voller Absicht. Es sind, rechtlich, keinerlei Persönlichkeitsrechte verletzt worden. Es ist ein Hype gemacht worden um von einem anderen Fehltritt abzulenken. Was verdammt gut gelungen ist.
    Für ein Schuldeingeständnis müsste erstmal eine Schuld vorliegen. Das ist nicht der Fall. Die, durch Aufruf und nicht durch Befehl (das war eine Überspitzung meinerseits, auch wenn es quasi wie ein Befehl befolgt wird, so ist es definitiv kein militärischer Befehl, der an eine Zivilperson sowieso nicht gerichtet werden kann) herbeigeführte Reaktion verlangte aber nach einer unmissverstädnlichen Erklärung – die hat Herr Witt gegeben.

  5. Axel Seliger
    Antworten

    Eigentlich wollte ich ja nicht zu allem mein Senf dazugeben, aber hier und heute möchte ich doch mal meine Gedanken zum Video „Gloria“ von Joachim Witt mitteilen. Seid einer Woche wird jetzt hier ’ne Hexenjagd von einigen veranstaltet, wo ich mich echt Frage, ob der eine oder andere nicht überlegt bevor er was zum besten gibt. Ihr hab das Video und dessen Botschaft nicht verstanden.
    Es geht um das Thema Krieg.

    Hätte jetzt JW in seinem Video ein deutschen Panzer der im Angriff auf Ziele auch Zivilisten tötet genommen, hätte das mit Sicherheit keiner, oder nur wenige, zur Kenntnisse genommen. Jetzt hat er die krasseste Form gewählt die man sich vorstellen kann. Soldaten in deutscher Uniform, und jetzt ist das Geschrei groß.

    Vor nicht allzu langer zeit sind deutsche in deutscher Uniform in Polen eingedrungen und haben ein Weltkrieg ausgelöst. Im Film „Der Pianist“
    http://www.dieterwunderlich.de/Polanski_pianist.htm
    wird deutlich gezeigt wozu Menschen in der Lage sind, positiv und auch leider negativ. Der Film zeigt leider das wahre Gesicht zum Thema deutsche Vergangenheit und Krieg.

    Oder in den 70/80ziger Jahren das Thema Tretminen, was heute immer noch aktuell ist
    http://www.ag-friedensforschung.de/themen/Landminen/bericht2003.html

    Man braucht nur mal zu google’n
    Thema; Export Deutsche Rüstungsindustrie

    http://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/deutsche-ruestungsexporte-es-sind-eure-waffen-eure-patronen-1.1390997

    Es ist Sicher ein heikles Thema, das die Deutsche Rüstungsindustrie in weltweiten Krisengebieten indirekt beteiligt ist und jährlich Milliarden Umsatz macht. Und die deutsche Regierung macht mit. Egal ob vergangene, die aktuelle oder die zukünftige. Es geht nur ums Geld.

    http://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/exporte-der-ruestungsindustrie-deutsche-waffen-fuer-die-welt-1.1116330#

    Man braucht nur mal zu google’n
    und man findet eine Fülle von Material wo deutsche Firmen mit militärischen know how vertreten sind.

    Und jetzt stellen wir uns hin und sagen; wir deutschen sind die guten und wollen die Welt retten.
    Mehr Lüge geht gar nicht

    Jetzt kommt JW und macht ein Video zum Thema Krieg und zeigt uns versteckt was nicht darf
    – Deutsche beteiligen sich direkt oder indirekt in Krisengebieten der Welt, mit wissen der Bundesregierung.

    Ich für meinen Teil kann nur sagen:
    Danke Herr Witt, das Video regt zum nachdenken an über das Thema Deutschland, Krieg und Deutsche Rüstungsindustrie.

  6. Thomas Meyer
    Antworten

    Unabhängig von der Meinung zum Video oder zur Bundeswehr ist es m. E. unsinnig, die Diskussion um das Video und die Werbekampagne der Bundeswehr in einen Topf zu schmeissen.

    Zumal Kirsch sich in seiner Funktion als Vorsitzender des Bundeswehrverbandes (während derer Ausübung er u. a. vom Dienst in der Bundeswehr freigestellt ist), die eine Interessenvereinigung einer Berufsgruppe im Sinne einer Gewerkschaft darstellt, und nicht für die Bundeswehr als Institution (jene die für die Werbekampagne verantwortlich zeichnet) äussert.
    Zu unterstellen es solle von dieser Kampagne abgelenkt und hervorgehoben werden wie toll die Bundeswehr sei (was Bestandteil der Kampagne ist), wiederspricht sich deutlich.

    Hier sollte Andreas seine persönliche Meinung entweder zugunsten einer objektiven Recherche in den Hintergrund stellen, oder sich für schlüssige Kritik an dem einen (Kritik am Video) oder dem anderen (Werbekampagne) Umstand entscheiden. Beides zu vermischen, um eine persönliche Meinung im Mantel einer verantwortungsvollen Informationsabsicht zu lancieren, ist m. M. n. unlauter.

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