BLACKMORE’S NIGHT – Dancer and the Moon


BLACKMORE'S NIGHTIch kann mich noch gut an 1997 erinnern, Ritchie Blackmore verlässt Deep Purple und Rainbow und will in Zukunft nur noch Mittelaltermusik machen. Meinereiner war seinerzeit einfach nur geschockt. Kurze Zeit später hielt ich das erste Album von Blackmore’s Night „Shadow of the Moon“ in den Händen – und war begeistert. Selbst das Rednex-Cover „Wish you were here“ fand ich genial. Und jetzt, 16 Jahre später, muss ich gestehen, dass ich nicht ohne Grund alle Alben von Blackmore’s Night in meiner Sammlung habe. Und heute kam die Promo des neuesten Albums „Dancer and the Moon„, welch Vorfreude. Okay, Cover ist wieder nichts Besonderes. Aber es gibt auch eine Sonderedition, die es in sich hat: Mit dem Coverartwork bedruckte Leinwand, eingefasst von einem 3D Polystone Rahmen. Mit einem schwarzem Jutebeutel mit dem Cover Artwork, 4 Ansteckbuttons, einem Echtheitszertifikat und der limitierten CD+DVD-Digipak Edition mit 4 weiteren Songs und einem Interview sowie einem voll bedruckten Umkarton. Also auch für die Freunde der haptischen Extraklasse wird was geboten.

Aber zurück zu meiner Promo-CD. Der erste Song „I think it’s going to rain today“ überrascht. Blackmore’s Night haben sich, meiner Meinung nach, noch nie so sehr nach Rainbow/Deep Purple angehört wie hier – wenn auch der Song eindeutig ein Blackmore’s Night Track ist. Richtig gut gelungen. „Troika“ heißt der nächste Song und ist durch eine ukrainische Soap-Opera inspiriert worden. Hört man dem Track zum Glück in keinster Weise an, wenn man die leicht russischen Einflüsse mal außen vor lässt. Der nächste Titel, „The last leaf“, der mehr als nur Blackmore’s Night-typisch und damit einfach genial ist, wird von einem Cover gefolgt: „Lady in Black“. Im Original von Uriah Heep und eine echte Rocknummer, okay, wer kennt den Song nicht? Einfach mal hier reinhören. Angeblich kannte Ritchie Blackmore den Song vorher nicht, sondern hörte ihn kurz vor einem Konzert im deutschen Radio das erste Mal und wunderte sich, dass einige Leute ihn „mitsangen“. Mittlerweile gehört „Lady in Black“ auch so zu seinen Lieblingsliedern und seine Version kann sich hören lassen. Typische Balckmore’s Night Soundkulisse und trotzdem verliert er nichts an der Intensivität und Härte vom Original, mehr als eine erstaunliche Leistung. „Minstrels in the hall“ hält, was der Titel erwarten lässt. Wunderschönes Accustic-Gitarrenspiel von Ritchie Blackmore mit Anlehnung an „Minstrel hall“ und im Jahr 1500 wahrscheinlich eine tolle Tanznummer. Gefolgt von dem, für mich, Highlight des neuen Albums. „Temple of the King“, genau die Nummer, die er mit Ronnie James Dio 1976 schrieb und veröffentlichte. Nein, der Song ist nicht so genial wie das Original – aber das geht auch gar nicht, Ronnie James Dio ist einfach nicht zu toppen. Aber dieser Version ist genial. Viel detailreicher, emotionsgeladener als das Original. Ich glaube, dies ist eine Version, an der auch Dio seine Freude gehabt hätte. Die Schauer vom Rücken sind noch nicht verschwunden, kommt schon der Titeltrack „Dancer and the moon“. Irgendwo zwischen Folk, 80er Schlager und Pop. Gewöhnungsbedürftig. Könnte auch beim Grand Prix laufen – würde da aber wahrscheinlich gewinnen, zu Recht. Trotzdem für mich eher das schwächste Teil auf dem Album. Aber das ist jammern auf höchstem Niveau. Und ich schätze, dass es für die meisten, normalen Musikkonsumenten sogar der Lieblingstrack werden dürfte. „Galliard“ ist dann wieder ein wunderschönes Instrumental, bei dem diesmal die ganze Band mitmachen darf. „The Ashgrove“ ist ein altes walisisches Lied, das Ritchie Blackmore schon als Kind gesungen hat. Da er früher sogar in einer Straße namens „Ash Grove“ gelebt hatte, musste er dieses Lied einfach irgendwann aufnehmen. Ein Fehler wars definitiv nicht. „Somewhere over the sea“ und „The moon is shining“ ist zweimal der gleiche Song, jeweils in einem anderen Arrangement. Die erste Version mit sehr minimal eingesetzten klassischen Instrumenten lebt definitiv von der außergewöhnlichen Stimme von Candice Night und lädt zum Träumen ein. Bei der anderen Version lässt Ritchie mal wieder den Rocker raushängen. Deutlich schneller mit Synthies, Schlagzeug, E-Gitarre und über 2 Minuten länger. Auf jeden Fall hörenswert, wenn auch eher Blackmore’s Night-untypisch. Ich könnte mir vorstellen, dass Rainbow heute so klingen würden. Und ein Ohrenschmaus für alle, die die „typische“ Gitarre von Blackmore bei Deep Purple und Rainbow liebten. Bei „The Spinner’s Tale“ dominiert wieder die Stimme und Flöte von Candice, und die Accoustic-Gitarre von Ritchie ist begleitend aktiv. Mit „Carry On… Jon“, einem wunderschönen Instrumental, das, insbesondere am Anfang, etwas an Gary Moore erinnert, um später Deep Purple-like die Hammond mitjammern zu lassen, entlassen uns Blackmore’s Night leider schon wieder. Viel zu schnell – aber zum Glück gibt es ja die Repeat-Funktion.

BLACKMORES NIGHT

Unterm Strich ein tolles Album das Blackmore’s Night mit „Dancer and the Moon“ da abliefern. Ich würde sogar sagen, eines ihrer besten. Auf jeden Fall sehr abwechslungsreich es dürfte nicht nur Blackmore’s Night Fans glücklich machen. Auch alte Fans von Deep Purple / Rainbow kommen auf ihre Kosten. Einzig der Titeltrack ist für mich eine kleine Schwachstelle des Albums. Trotzdem reicht es locker für eine 10 von 10 Punkten.


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